Es weihnachtet schwer – „Schöne Bescherungen“ im Schauspielhaus Magdeburg

Alle Jahre wieder läuft in der Weihnachtszeit das gleiche Programm in der Glotze. Viele freuen sich auf die Tradition, aber es gibt auch welche, die einfach nur genervt davon sind. Dabei ist es egal, ob es sich dabei um ein Film für die ganze Familie handelt. Wieso nicht einfach mal mit den Liebsten ins Theater gehen? Im Schauspielhaus Magdeburg wird seit der Spielzeit 2016/2017 die Komödie „Schöne Bescherungen“ von Alan Ayckbourn aufgeführt, welche für das Theater von Caroline Stolz inszeniert wurde. Auch in der aktuellen Spielzeit ist dieses Stück gut besucht. Doch warum lohnt sich das mehr als ein Abend vorm Fernseher?

Jedes Jahr laden Neville (Zlatko Maltar) und  Belinda Bunker (Antonia Schirmeister) die ganze Familie zu sich ein, damit alle zusammen Weihnachten verbringen können. Doch alle haben ihre ganz besonderen Macken. Seine Schwester Phyllis (Léa Wegmann) hinterlässt in der Küche ein Schlachtfeld und kein Tropfen Alkohol ist vor ihr sicher. Ihr Mann Bernard (Uwe Fischer) treibt mit seinem alljährlichen Puppentheater alle in den Wahnsinn. Nevilles Onkel Harvey (Burkhard Wolf) will einfach nur seine heiß geliebten Actionfilme im TV genießen. Eddie (Marian Kindermann) ist sowieso gestresst von Weihnachten und das lässt er seine schwangere Frau Pattie (Marie Ulbricht) spüren. Als dann auch noch Belinda sich in den Freund ihrer Schwester Rachel (Maike Schroeter) verguckt, scheint die Katastrophe perfekt zu sein. Clive (Amadeus Köhli) steht zwischen zwei Stühlen. Es brodelt unterm Tannenbaum und die Situation scheint zu eskalieren.

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Das Desaster scheint perfekt zu sein.; Foto: Christiane Hercher

Ein Haus, eine Familie, aber alle könnten unterschiedlicher nicht sein. Jeder von ihnen ist speziell. Diese Mischung harmoniert aber hervorragend und das ist genau das, was diese Inszenierung zu einem besonderen Spaß macht. Obwohl die Familien ein schönes Fest für ihre Kinder auf die Beine stellen wollen, sind diese im Stück selbst nie zu sehen. Nein, es geht um die Großen. Ayckbourn lässt eine Menge an britischem Humor mit einfließen, welcher fantastisch von den Darstellern verkörpert wird. Jeder von ihnen ist in seinem Element. Das Bühnenbild, welches von Jan Hendrik Neidert entworfen wurde, bietet einen großen Schauplatz – und es passiert viel. Allein wenn Léa Wegmann als Phyllis in der Küche steht, ist das Zusehen ein wahrer Genuss für das Publikum. Auch die Rolle von Burkhard Wolf bringt viele Lacher mit. Antonia Schirmeister als Belinda ist eine wahre Göttin der Verführung. Man bekommt richtig Mitleid mit Maike Schroeter als Rachel, die es einfach über sich ergehen lässt, wie ihre eigene Schwester versucht, ihren Clive zu verführen. Jeder ist in seinem Element. Eigentlich handelt es sich um Themen, die viele Familien selbst kennen – nur an manchen Stellen etwas zu überspitzt. Marian Kindermann als Eddie hat sich beispielsweise noch immer nicht wirklich daran gewöhnt, dass er jetzt ein wenig mehr Verantwortung übernehmen muss und chillt deswegen lieber auf der Couch und chillt mit einem Comic, welcher für seine Kinder unter dem Weihnachtsbaum liegt. Und auch Zlatko Maltar und Uwe Fischer sind in ihren Rollen tief im Inneren noch kleine Jungs, die es mögen zu spielen. Marie Ulbricht versucht zumindest das Kind aus Eddie auszutreiben und deswegen reagiert sie als Pattie wie jede (schwangere) normale Frau. Kurz und knapp: Jeder Schauspieler beherrscht seine Rolle ausgezeichnet.

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Eine schrecklich normale Familie.; Foto: Christiane Hercher

Das Schauspiel wirkt wie ein Fernsehfilm, den auch Bernard mit großer Wahrscheinlichkeit unterhalten würde. Neben einer Reihe von Zeitraffer-Vorgängen gibt es auch den ein oder anderen Knall – nicht nur verbal. Wer an Weihnachten z.B. gerne Komödien sieht, wo völlig durchgeknallte Familien ihr Weihnachtsfest planen, der wird auch „Schöne Bescherungen“ in sein Herz schließen. Man könnte dieses Stück genau so auf die Leinwand oder ins TV bringen. Es wirkt mit seinen zwei Stunden und der Pause an keiner Stelle zu lang gezogen. Einige Witze sind auch situationsbedingt. Der Humor ist auch dosiert, sodass man als Zuschauer nicht das Gefühl bekommt, dass alles einfach nur gewollt ist und man mit Macht Lacher aufbaut. Genau aus diesen und natürlich noch mehreren Gründen lohnt sich der Besuch im Schauspielhaus um jedes Preis.

Leider ist die Vorstellung am 2. Weihnachtsfeiertag schon ausverkauft. Aber wer auch noch länger in Weihnachtsstimmung ist, für den bietet sich am 14. Januar 2018 noch ein weiteres Mal die Gelegenheit, „Schöne Bescherungen“ zu erleben. Tickets können wie immer unter http://www.theater-magdeburg.de oder an der Theaterkasse erworben werden. Ansonsten bietet sich bestimmt auch in der nächsten Weihnachtszeit wieder die Gelegenheit.

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Love is in the air: Belinda (Antonia Schirmeister) flirtet mit Clive (Amadeus). Dieser ist eigentlich der Freund von Belindas Schwester.; Foto: Christiane Hercher

Hiermit wünsche auch ich euch „Schöne Bescherungen“ und besinnliche Feiertage.

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