Zwischen Gott und Mensch – „Antigone und Ödipus“

Wer an Inszenierungen altgriechischer Mythen auf der Bühne denkt, rollt meistens schnell die Augen. Diese Stücke sind meist mit einer nicht leicht verständlichen Dialektik aufgebaut. Das Zuhören und Verstehen der Botschaft erfordert viel Konzentration und Aufmerksamkeit. Nicht so in der Inszenierung „Antigone und Ödipus“ von Cornelia Crombholz für das Theater Magdeburg.

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König Ödipus (Cornelius Gebert) ist auf der Suche nach dem Mörder seines Vaters. Während seinen eigenen Ermittlungen wird ihm klar, dass er selbst das Leben seines Vaters auf dem Gewissen hat. Dazu kommt noch, dass er seine Mutter zur Frau genommen hat und diese ihm vier Kinder gebar. Sich selbst erkannt, blendet er sich. Doch das soll es noch nicht gewesen sein, denn seine Söhne streiten um die Regentschaft über Theben und töten sich dabei gegenseitig. Nur noch seine Tochter Antigone (Marie Ulbricht) kämpft um das göttliche Recht der Familie. Doch das Duell mit ihrem Onkel Kreon (Oliver Niemeier), verliert sie. Er erhebt sich über das göttliche Recht. Die Bürger sind vollkommen auf sich alleine gestellt.

Wenn man das Stück in nur wenigen Worten zusammenfassen soll, dann würde man wahrscheinlich folgende Adjektive verwenden: stark, mitreißend, gewaltig. Mein erster Satz nach dem Ende der Vorstellung war z.B.: „Ich bin schwer beeindruckt.“ Und auch das Publikum, welches sich nicht nur im fortgeschrittenem Alter befand, schien mehr als zufrieden mit der Inszenierung zu sein. Schon in der Pause konnte man aus jeder Ecke positives Feedback hören. Aber was genau macht das Stück von Crombholz zu solch einem Erfolg am Schauspielhaus?

Zum Einen mag es vielleicht daran liegen, dass es keine 08/15-Inszenierung ist, die man normalerweise für die antike Zeit erwartet. Die Sprache ist zwar anspruchsvoll, aber dennoch für jeden verständlich. Es sind zwar intelligente Dialoge, doch sie sind keineswegs zu hochgestochen. Die Protagonisten kommen nicht in altgriechischen Gewändern auf die Bühne, sondern sie wirken eher modern; angepasst an die heutige Zeit. Trotzdem sind sie nicht zu ausgefallen, sondern eher schlicht. Verantwortlich dafür ist die Kostümbildnerin Mario Hauer.

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Die Tragödie nimmt seinen Lauf.; Foto: Nilz Böhme

Doch was man hier wirklich sehr hoch anrechnen muss, ist die Vielfalt des darstellenden Spiels; die Vielfalt der Schauspieler. Das Stück ist durchweg gut gecastet. Die Frage, ob jemand heraus sticht, ist schwer zu beantworten, wenn man Namen wie z.B. Cornelius Gebert, Marie Ulbricht, Antonia Schirmeister, Christoph Förster oder auch Oliver Niemeier auf der Liste liest. Selbst die Nebenfiguren fesseln das Publikum. Einfach großartig. Man kann aber davon ausgehen, dass die Chöre, egal ob es sich um den Chor des Ältestenrates der Stadt Theben oder der Chor der thebanischen Mädchen handelt, die meiste Bewunderung der Zuschauer kassieren. Alexander Weise hat es geschafft, die Darsteller zu einem großen Ganzen zusammenzuwachsen. Alle zusammen ergeben eine Stimme – und zwar eine gewaltige. Sie schreien nicht, sondern argumentieren. Diese Argumente sind klar und deutlich zu verstehen. Und ja, sie sorgen sogar für den ein oder anderen Gänsehaut-Moment. Eine grandiose Arbeit. Meistens sind diese Sprechchöre auch mit Musik verbunden. Trommeln, Bässe und Tiefe Klaviertöne untermalen die düstere Szenerie nochmal zusätzlich.

„Antigone und Ödipus“ ist auf jeden Fall ein besonderes Erlebnis. Ein Erlebnis, welches nicht so schnell aus dem Gedanken der Zuschauer verschwinden wird. Egal ob es an der Handlung, dem Cast oder an dem ein oder anderen Ohrwurm des Chors liegt: sehenswert ist dieses Stück allemal. Tickets gibt es wie immer an der Theaterkasse oder unter http://www.theater-magdeburg.de.

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