Ein frostiges Weihnachtsmärchen – „Hexe Baba Jaga im Zauberwald“ im Opernhaus Magdeburg

Weihnachtszeit ist bekanntlich die schönste Zeit. Auch für das Theater Magdeburg. Jedes Jahr wird ein bekanntes Weihnachtsmärchen für die große Bühne inszeniert. 2018 ist es die wohl bekannteste Hexe der Märchenwelt. „Hexe Baba Jaga im Zauberwald“ feierte am 26. November Premiere. 

Hexe Baba Jaga (Zlatko Maltar) hat immer etwas zu meckern. Besonders muss ihre Stieftochter Nastjenka (Marie Ulbricht) darunter leiden. Während Nastjenka im Haushalt schuften muss, liegt ihre Stiefschwester Marfuschka (Léa Wegmann) auf der faulen Haut herum und schikaniert ebenfalls ihre Mitmenschen. Zum Glück hat Nastjenka aber auch noch ihren Freund Touma (Cem Göktas) an ihrer Seite. Als der stinkreiche und arrogante Iwan (Cornelius Gebert) von Hexe Baba Jaga auserkoren wird, die hässliche Marfuschka zu seiner Frau zu nehmen, verliebt er sich ausgerechnet in die schöne Nastjenka. Das sieht Baba Jaga gar nicht gerne. Deswegen schickt sie Nastjenka, Iwan und Touma in den verschneiten Wald. Dort soll Nastjenka nichts Gutes widerfahren. Zum Glück ist da noch Väterchen Frost (Lukas Paul Mundas), der über den Zauberwald wacht und alles beobachtet.

 

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Kann gnatzen wie ein kleines Kind: Marfuschka (Léa Wegmann)..; Foto: Nilz Böhme

Regisseur Marcus Mislin hat es mal wieder geschafft, ein Stück zu inszenieren, welches alle Generationen abholt. Obwohl es für die jungen Zuschauer gedacht ist, wird auch das erwachsene Publikum verzaubert. Traditionelle Elemente werden mit einer modernen Erzählweise verknüpft. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass es immer etwas zu lachen gibt und die Kinder keine Angst vor der Hexe haben müssen. Dank der Bühnenbildnerin Elisabeth Pedross und der Kostümbildnerin Helena Barcikowski wirkt das Märchen nicht zu eisig, sondern auch an vielen Stellen bunt. Jede Figur hat nicht nur ihre charakterlichen Merkmale, sondern auch ihre ganz persönliche Farbe, die man an den Kleidern erkennen kann. Und obwohl Marie Ulbricht und Léa Wegmann zwei wunderbare und talentierte Schauspielerinnen sind und ihre Rollen auch mit viel Herzblut verkörpern, werden sie leider ein wenig von ihren männlichen Kollegen in den Schatten gestellt.

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Hexe Baba Jaga (Zlatko Maltar) hat finstere Pläne. Nur an den Umsetzungen scheitert es öfter.; Foto: Nilz Böhme

Wer denkt, dass ein Mann nicht unbedingt dafür prädestiniert ist, eine weibliche Figur so überzeugend zu spielen, dass es nicht lächerlich wirkt, der sollte sich durch Zlatko Maltar vom Gegenteil überzeugen lassen. Er spielt Hexe Baba Jaga mit viel Charme, ohne seine Stimme zu verstellen. Das verleiht seiner Baba Jaga das gewisse Etwas und eine einzigartige Authentizität, wenn nicht sogar auch Natürlichkeit. Obwohl er einen „dunklen“ Charakter verkörpert, muss man doch recht oft über ihn lachen, wie er beispielsweise über die Dummheit von Marfuschka nicht fertig wird oder sie sogar nachäfft. Es ist einfach unmöglich diese Figur zu hassen. Cornelius Gebert als Iwan findet man anfangs ziemlich ätzend und man möchte ihm einfach nur bitten, den Sabbel zu halten. Aber seine Figur entwickelt sich im Verlauf der Handlung auch zu einem Sympathieträger. Es ist eben doch viel mehr wert, wenn man ein gutes Herz zeigt – und das hat Iwan auf jeden Fall. Doch das wärmste Herz in dem Märchen hat die Figur, die an dem eisigsten Ort lebt: Lukas Paul Mundas als Väterchen Frost löst in jedem Zuschauer den Wunsch aus, von ihm beschützt zu werden. Er strahlt mit seiner Art so viel Wärme und Liebe für alle aus. Nebenbei schlüpft er auch noch in einige weitere Rollen des Stückes und beweist innerhalb von wenigen Minuten eine angenehme Wandelbarkeit.

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Der reiche Iwan (Cornelius Gebert) ist ein Alleskönner. Natürlich möchte Hexe Baba Jaga (Zlatko Maltar) diesen Mann als Schwiegersohn haben.; Foto: Nilz Böhme

Was in einem Weihnachtsmärchen für das Theater auch nicht fehlen darf, ist Musik. Markus Reyhani liefert nicht nur mitreißende Melodien, sondern auch unterhaltsame und intelligente Texte, die nach wenigen Takten schon zum Ohrwurm werden. Das Publikum darf nicht nur mitsummen und mitklatschen, sondern auch mitsingen. Allgemein zeichnet diese Inszenierung aus, dass die jungen Zuschauer mit in das Stück von den Schauspielern eingebunden werden. Es ist nicht eine Stunde, in der man einfach nur zusieht, was auf der Bühne passiert, sondern die Figuren regen das Publikum auch zum Mitmachen an.

Wer auch zusammen mit all diesen liebenswerten Charakteren in den Zauberwald gehen möchte, der ist herzlich eingeladen. Das Weihnachtsmärchen wird regelmäßig im Opernhaus gespielt. Nicht nur als Familie ist ein Besuch im Theater wert, sondern auch gerne mit der Schulklasse. Spaß sollte jeder haben. Tickets können entweder unter http://www.theater-magdeburg.de oder im Opernhaus an der Kasse erworben werden.

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Hund Touma (Cem Göktas) weicht seiner Freundin Nastjenka (Marie Ulbricht) nicht von der Seite.; Foto: Nilz Böhme

 

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