Für immer (vielleicht): Ralph Opferkuchs „Erste Liebe“ am Schauspielhaus Magdeburg

Ralph Opferkuch gehört am Theater Magdeburg zu den Publikumslieblingen. Er besitzt nicht nur ein ausgesprochen großes Talent für die Schauspielkunst, sondern darf auch gelegentlich seine musikalische Seite zum Vorschein bringen – mit Erfolg. Nachdem er zusammen mit Thomas Schneider den Jacques-Brel-Liederabend „Mein Lieb, mein Leid“ veranstaltete, legt er nun mit seinem Erstlingswerk „Erste Liebe“ nach. Schafft er es auch mit seinen eigenen Kompositionen die Theaterbesucher zu überzeugen?

Der Musikwissenschaftsstudent Paul (Ralph Opferkuch) kämpft sich durch das 13. Semester und arbeitet an seinem „Periodensystem der Harmonik“. Eines Abends lernt er die Lehramtsstudentin Emma (Carmen Steinert) kennen. Beide teilen die Liebe zur Musik. Es dauert nicht lange, bis sie auch die Liebe zueinander teilen. Gemeinsam durchleben sie die Höhen und Tiefen jeder Beziehung. Die junge Liebe scheint auf der Kippe zu stehen, als Pauls größter Kindheitstraum zur Realität wird: Zusammen mit der Band „Jaywalk“ erlebt er erstmaligen Erfolg in seiner musikalischen Laufbahn und kann dabei kaum noch Zeit für Emma aufbringen…

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Minus und Minus ergibt Plus. Paul (Ralph Opferkuch) und Emma (Carmen Steinert) ziehen sich magisch an.; Foto: Nilz Böhme

Dass Ralph Opferkuch nicht nur ein begnadeter Schauspieler, sondern auch ein talentierter Musiker ist, durfte er schon öfter auf der Bühne unter Beweis stellen. Möglicherweise liegt das daran, dass er ausgebildeter Lehrer (unter anderem für Musik) ist. Kaum ein Schauspiel mit Tonkunst findet im Schauspielhaus ohne den gebürtigen Stuttgarter statt. Es war nur um eine Frage der Zeit, bis er seine eigenen Kompositionen mit dem Magdeburger Publikum teilen würde. Nun steht sein eigener Liederabend „Erste Liebe“ im Programm. Dafür komponierte er 13 Songs, deren Inhalt sich hauptsächlich um Liebe dreht und deren Melodien auf einem Flügel gespielt werden. Abwechslungsreicher könnten sie nicht sein. Einige stecken voller Leidenschaft, andere schlagen fröhliche Töne an. Doch Opferkuch komponierte auch traurige und nachdenkliche Lieder mit viel Tiefgang. Er versteht nicht nur den Einsatz von Melodien, sondern erzeugt mit seinen Texten auch viele sprachliche Bilder, die mitten ins Herz treffen. Drumherum erzählt er die Liebesgeschichte von Paul und Emma, die von den typischen Höhepunkten und Tiefschlägen einer Beziehung geprägt ist. Doch egal was passiert: Beide können einfach nicht voneinander lassen und finden immer wieder zusammen. Sie sind wie zwei Magnete. Es klingt schon fast kitschig, doch das ist Opferkuchs Liederabend absolut nicht. Während des ganzen Hin und Hers und der Suche nach einem Platz im eigenen Leben, indem vor allem der Hauptprotagonist hauptsächlich mit seiner Eifersucht zu kämpfen hat, flechtet er noch Nebengeschichten mit ein, die nicht nur die Entwicklung der beiden Figuren prägen, sondern auch Themen zur Sprache bringt, die in der heutigen Zeit ziemlich relevant sind.

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Musikwissenschaftsstudent Paul ist hin und weg von Emmas Stimme. Foto: Nilz Böhme

An Opferkuchs Seite steht Carmen Steinert als Emma. Die 24-jährige Österreicherin hat sich nach einer Spielzeit ebenfalls in die Herzen der Theaterbegeisterten in Magdeburg gespielt. Nachdem sie in „Das Knurren der Milchstraße“ bereits zeigen konnte, dass in ihr auch ein Gesangstalent schlummert, verschaffte ihr Schauspieldirektorin Cornelia Crombholz im musikalischen Schauspiel „Ein Sommernachtstraum“ mit der Rolle des Puck den endgültigen Durchbruch. In „Erste Liebe“ lässt Opferkuch Steinert sehr fraulich in einem kleinen Schwarzen auftreten. Sie ist nicht nur optisch ein echter Hingucker, sondern zieht auch mit ihrer zarten, dennoch kräftigen Stimme voller Gefühl die Zuschauer in ihren Bann. Den ganzen Abend hat sie nur Augen für einen Mann, nämlich für Paul. Obwohl sie für alle Anwesenden singt, spürt das Publikum klar und deutlich, dass sie ihn mit den Songs anspricht. Es sprühen sichtlich die Funken in jeder Hinsicht. Bei den ruhigen Momenten des Liederabends könnte man eine Nadel im Heuhaufen fallen hören, so gefesselt ist das Publikum von ihrem Auftritt. Zusammen mit Opferkuch kann sie die Emotionen der Lieder so stark transportieren, dass es nicht ausgeschlossen ist, dass bei einigen Rezipienten sogar ein paar Tränen kullern könnten. Denn beide besitzen die Fähigkeit eine Geschichte zu erzählen, mit der sich jeder identifizieren kann und Situationen zu schaffen, die ein jeder bereits so oder so ähnlich erlebt hat.

Mit seinem ersten eigenen Liederabend hat Ralph Opferkuch es geschafft, sich ein Denkmal am Theater Magdeburg zu bauen. Mit seiner musikalischen Liebesgeschichte, die er zusammen mit Carmen Steinert realistisch erzählt und darstellt,  weckt er Erinnerungen an die eigene „Erste Liebe“ und berührt mit seinen Kompositionen die Herzen der Zuschauer. Mit dieser Produktion hat Opferkuch einen Meilenstein geschrieben und zeigt einmal mehr, dass er aus dem Schauspielhaus Magdeburg nicht mehr wegzudenken ist. Neben zahlreichen Liebesbekundungen an die Musik darf natürlich auch gelacht werden, denn „Erste Liebe“ besitzt Charme im Überfluss. Wer die Kunst von Ralph Opferkuch nicht schon liebt, der wird sich möglicherweise nach dem Besuch der Vorstellung schockverlieben.

 

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