Eine abenteuerliche Reise für Groß und Klein: „Peterchens Mondfahrt“ am Theater Magdeburg

Nachdem Regisseur Marcus Mislin im vergangenen Jahr mit „Hexe Baba Jaga im Zauberwald“ als Weihnachtsmärchen einen großen Erfolg am Theater Magdeburg feierte, darf er 2018 gleich wieder ran. Dieses Mal möchte er mit „Peterchens Mondfahrt“ für strahlende Kinderaugen sorgen. Ob ihm das auch dieses Jahr gelingt?

Der Maikäfer Herr Sumsemann (Thomas Schneider) nistet sich in das Schlafzimmer der Geschwister Peter (Ralph Opferkuch) und Anne (Maike Schroeter) ein. Es dauert nicht lange, bis ihn die tierfreundlichen Kinder entdecken. Ihnen erzählt Sumsemann die Geschichte von seinem Urgroßvater, dem ein Holzdieb das sechste Beinchen abschlug und ebenfalls in Gewahrsam nahm. Die gute Nachtfee (Pia-Micaela Barucki/Marie Ulbricht) verbannte den Dieb schnurstracks auf den Mond. Alle Kinder des Maikäfers würden zukünftig nur noch fünf Beinchen haben. Der Fluch könne allerdings gebrochen werden, wenn einer der Maikäfer zwei Kinder ausfindig macht, die niemals ein Tierchen gequält haben. Als Peter und Anne davon hören, wollen sie Sumsemann umgehend helfen. Auf ihrer Reise treffen sie auch den Sandmann (Christoph Förster), der ihnen bei ihrem Vorhaben unterstützen möchte.

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Herr Sumsemann (Thomas Schneider, links) versucht sich vor Anne (Maike Schroeter, Mitte) und Peter (Ralph Opferkuch) zu verstecken. Foto: Andreas Lander

Eine farbenfrohe Kulisse, viele Spezialeffekte, Lieder zum Mitschunkeln und –summen und eine Menge Spaß: Mit „Peterchens Mondfahrt“ zeigt Marcus Mislin erneut, dass er ein Gefühl für Kinderproduktionen hat. Mit der Handlung schafft er es, nicht nur die Protagonisten, sondern auch die Zuschauer mit auf eine Entdeckungsreise zu nehmen. Mitmachen ist erlaubt, aber dosiert. Krampfhaftes Animieren ist hier nicht nötig. Mislin schafft dafür auch Situationen, wo die jungen Zuschauer an der richtigen Stelle von alleine eingreifen können. Denn er hat es geschafft, jede einzelne Figur so zu kreieren, sodass jeder Anwesende im Saal eine Empathie für die Charaktere, die auf der Bühne stehen, zu entwickeln. Das Bühnenbild von Elisabeth Pedross wirkt wie aus einem DEFA-Märchen entsprungen, welches beim erwachsenen Rezipienten ein wenig Nostalgie erzeugen dürfte. Diese Nostalgie spiegelt sich auch in den Kostümen wieder, für die Pedross ebenfalls verantwortlich ist. Die Musik von Markus Reyhani sorgt für den ein oder anderen witzigen Ohrwurm. Aber die Texte und Melodien gehen nicht nur in die Ohren, sondern auch ins Bein. Vor allem aber punktet die Inszenierung von Mislin mit einer heiteren und einfachen Komik. Diese ist nicht nur kinderfreundlich, sondern dürfte auch bei den älteren Besuchern für mehr als nur ein zaghaftes Schmunzeln sorgen. Damit die Pointen auch sitzen, hat der Regisseur eine exzellente Besetzung gefunden, für die es ein leichtes Spiel ist, die Besucher die ganze Vorstellung über zu unterhalten.

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Der Sandmann (Christoph Förster, oben) fliegt auf einem Teppich zu den Kindern, um ihnen schöne Träume zu bereiten. Foto: Andreas Lander

Ralph Opferkuch und Maike Schroeter als Peter und Anne dürfen nochmal ihre kindliche Seite rauslassen und schaffen dies, ohne dabei einen Hang zur Übertreibung zu entwickeln. Im Gegenteil: Für ihr Alter handeln sie teilweise sogar etwas zu reif im Kopf. Doch das stört nicht sonderlich, denn sie gehen mit gutem Beispiel beim jungen Publikum voran. Gute Taten zu vollbringen ist nicht schwer. Das zeigen beide Darsteller, indem sie sofort eine Freundschaft zu dem tierischen Eindringling, nämlich Herrn Sumsemann, aufbauen. Dieser wird von Thomas Schneider verkörpert. Schneider spielt mit einer Leichtigkeit und hat die Kinder von der ersten Sekunde an auf seiner Seite. Er ist laut, steckt voller Energie und ist etwas tollpatschig. In manchen Momenten verlässt ihn der Mut. Zum Glück hat er Peter und Anne an seiner Seite, die ihn immer wieder ermutigen. Christoph Förster darf gleich in zwei Rollen schlüpfen. Als Sandmännchen verkörpert er das Gute und ist auf der Seite der lieben Kinderlein und dem fünfbeinigen Maikäfer. Auch er kann seinen Freunden die Hilfe nicht verweigern und besticht vor allem mit seinem trockenen Humor. Das Böse kommt aus ihm heraus, wenn er sich in den Mondmann verwandelt, der Sensemanns Urgroßvater das sechste Beinchen gestohlen hat. Obwohl Förster das Potential zu einem richtig fiesen Bösewicht hat, schafft er es in „Peterchens Mondfahrt“ nicht zu viel Boshaftigkeit aufzufahren. Obwohl er als Mondmann keine guten Absichten hat, kann man ihn nicht gänzlich hassen. Das zeigt erneut, dass Förster sein Handwerk perfekt beherrscht und ein ausgeprägtes Verständnis für seine jeweiligen Rollen besitzt. Pia-Micaela Barucki, die für diese Produktion als Gast an das Theater Magdeburg zurückkehrt, durfte zu Ensemblezeiten meistens quirlige und extrem extrovertierte Charaktere verkörpern. Als Mutter von Anne und Peter zeigt sie dem Publikum eine andere Seite ihres Könnens. Obwohl man es im ersten Moment nicht glauben mag, aber sie schafft es auch mit einer ruhigen Ausstrahlung zu glänzen, ohne dabei unterzugehen. Barucki wechselt sich zusammen mit ihrer Kollegin Marie Ulbricht, die ebenfalls als Gast zurückkommt, in diesen beiden Rollen ab.

Ein besonders erwähnenswertes Lob geht an Pierre Balasz, der sich der Figur des Sturmriesen und die des Helfers der Nachtfee annimmt. Normalerweise ist Balasz am Theater Magdeburg als Regieassistent bekannt. Nun darf er sich auch als Schauspieler ausprobieren und überzeugt in seinen kurzen Auftritten mehr, als er es sich möglicherweise vorstellen kann. Schauspielerisches Potential ist definitiv vorhanden. Abgerundet wird die Inszenierung noch mit einem typischen Peter-Wittig-Moment, der dem Magdeburger Publikum mit Sicherheit nicht so schnell aus dem Kopf gehen wird.

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Mit Hilfe der Nachtfee (Marie Ulbricht, Mitte) können Peter (Ralph Opferkuch, links) und Anne (Maike Schroeter, 2. v. r.) den bösen Mondmann (Christoph Förster, 2. v. l.) zur Strecke bringen.; Foto: Andreas Lander

„Peterchens Mondfahrt“ in der Inszenierung von Marcus Mislin nimmt die kleinen und großen Zuschauer mit auf eine abenteuerliche Reise. Die Protagonisten erfüllen nicht nur eine Mission, sondern denken auch gleichzeitig daran, dem jungen Publikum wichtige Werte zu vermitteln. Gleichzeitig stellte Mislin wieder ein Weihnachtsmärchen auf die Beine, dass nicht nur etwas für die Kinder ist. Somit ist es ihm erneut gelungen, eine Produktion für die ganze Familie auf die Bühne des Opernhauses in Magdeburg zu bringen. Wer sich diese Inszenierung nicht entgehen lassen möchte, der sollte sich und seinen Liebsten schleunigst noch ein paar Restkarten sichern.

Apropos Familie: Wichtig wäre an dieser Stelle auch zu erwähnen, dass es auch dieses Jahr wieder die Theaterkarten-Spendenaktion geben wird. Wer ein gutes Herz hat und gerne hilft, der kann bedürftigen Familien die Vorstellung von „Peterchens Mondfahrt“ am 29. Dezember um 11 Uhr ermöglichen. Die Theaterkarten-Spende geht ganz einfach: Kauft eine oder mehrere Theaterkarten zu 8 Euro (Kinderkarte) oder 18 Euro (Erwachsene) an der Theaterkasse im Opernhaus. Diese werden dann in einer Spendenbox an der Kasse gesammelt. Selbstverständlich ist auch jeder andere Spendenbetrag absolut willkommen. Spenden könnt ihr bis zum 28. Dezember. Je höher die Summe für gespendete Karten, desto mehr Kinder und Eltern haben die Möglichkeit, „Peterchens Mondfahrt“ im Opernhaus zu erleben. Der Förderverein Theater Magdeburg e.V. übernimmt mit seinem Theaterpaten-Projekt ebenfalls einen Teil der Kosten.

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