„Es wird ein großes Spektakel!“ – Im Gespräch mit Inga Krischke und Jan Rekeszus

Wenn man heute aus dem Fenster schaut, ist es meistens grau und kalt. Schließlich stecken wir ja auch noch im Winter. In einem Winter ohne Schnee. Das Wetter verbreitet nicht gerade gute Stimmung. Deswegen versucht man schon mal gerne diesen kleinen Dingen für einen Moment zu entfliehen. Dafür spielt das Opernhaus in Magdeburg ab Samstag das Musical „Der Zauberer von Oz“. Inga Krischke und Jan Rekeszus sind Teil dieses Stückes. Sie spielt die Rolle der Dorothy, er die Rolle des ängstlichen Löwen. Ich traf neulich beide zu einem lockeren Gespräch. Dort redeten wir u.a. über die Inszenierung des Musicals am Magdeburger Theater, die Landeshauptstadt an sich und über Fußball.

 

Anna-Lena: So, gleich mal vorweg: Wann und wie oft habt ihr die Verfilmung von „Der Zauberer von Oz“ gesehen und was für einen Bezug habt ihr zum Film?

Inga: Ich habe sie kein einziges Mal gesehen. Als ich das Stück gelesen habe, hat mir der Regisseur gesagt, ich soll sie mir auf keinen Fall anschauen, da er es nicht so machen will wie im Film. Also habe ich es gelassen. (lacht)

Jan: Ich habe sie ein oder zweimal als Kind gesehen. Kürzlich hat mir ein Kollege die „Muppets“-Version in die Hand gedrückt mit der schwarzen Dorothy, was ich ja super finde. Aber den Film habe ich als Erwachsener nicht mehr gesehen.

Anna-Lena: Inga, du hast in den letzten Jahren eine beeindruckende Karriere hingelegt. Du hast 422 Shows in „Das Wunder von Bern“ gespielt. Die Rolle der Dorothy in „Der Zauberer von Oz“ ist deine erste nach dieser Zeit. Wie fühlt sich das an, trotz Hauptrolle Teil einer kleineren Produktion zu sein?

Inga: Ich habe gar nicht das Gefühl, dass das Ensemble kleiner ist, wir haben einen Opernchor, einen Kinderchor, ein Ballett und Statisten dabei. Wir haben alles aufgefahren, was es gibt in diesem Haus, habe ich das Gefühl. Es ist einfach was ganz Anderes. Die Leute im Haus sind schon so ein eingespieltes Team. Wir sind als Gäste dabei. Bei „Das Wunder von Bern“ waren wir eine Familie, weil wir jeden Tag zusammengespielt haben. Wir hatten auch jede Woche die gleichen Proben, da Kinderdarsteller mit dabei waren. Eigentlich bin ich mal wieder ganz froh, dass wir was Neues proben, nachdem ich 422mal das Gleiche gespielt habe. (lacht)

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Inga Krischke; Foto: Friederike Franke

Anna-Lena: Wie seid ihr auf das Musical aufmerksam geworden? Hat man euch eingeladen oder habt ihr euch auf bestimmte Rollen beworben?

Inga: Wie war es bei dir?

Jan: Hand auf’s Herz: Man bewirbt sich auf alle Ausschreibungen und hofft dann auf eine Einladung. (lacht) Wir waren aber einfach ganz klassisch beim Vorsprechen und haben dann die Rollen bekommen, die wir wollten. (jubelt)

Anna-Lena: Jan, dich verfolgen quasi die Tierrollen. Wie kommt es dazu?

Jan: Ich weiß auch nicht. Ich bin animalisch. Nein. Es ist eher Zufall. In meinem Abschlussstück war es der Wolf in „Grimm“, jetzt ist es der Löwe. Ich glaube auch, dass ich von dem Wolf bis zum Löwen viel mitnehmen konnte. Ich finde es spannend, dass ich Haltungen und Charakterzüge so ein bisschen überspitzen darf, das macht viel Spaß.

Anna-Lena: Findest du, dass Tierrollen schwer zu verkörpern sind? Was genau ist dabei anders als weiterhin auf der Bühne ein Mensch zu sein?

Jan: Am Anfang war es ein bisschen irritierend. Man muss sich da reinschmeißen und darf keine Angst haben, auch mal irgendwelche Geräusche von sich zu geben, sich immer am Kopf zu kratzen oder so. Es kommt einem erst fremd vor, weil man normalerweise Mensch ist auf der Bühne, aber dann wird es zu einem Teil des Selbst und macht man sich das zu Eigen.

Anna-Lena: Wie lange habt ihr euch auf eure Rollen vorbereitet?

Inga: Wir haben für die szenischen Proben ja sechs Wochen Zeit. Das Textbuch haben wir ungefähr um Weihnachten rum bekommen und dann hieß es: ganz schnell Text lernen. Am 2. Januar ging es dann richtig los.

Jan: Man macht sich auch Gedanken, wie die Rolle aussehen wird. Aber der Regisseur wollte auch, dass der Löwe sehr menschlich ist und nicht zu einer Tier-Karikatur wird.

Anna-Lena: Was ist das Besondere an dieser Inszenierung?

Jan: Ich finde, dass sie sich durch die Modernität absetzt von anderen Inszenierungen. Unsere Dorothy ist ja sehr modern und frech. Der Löwe trägt z.B. einen Trainingsanzug.

Anna-Lena: Eure Figuren entwickeln sich im Laufe der Handlung. Wie würdet ihr den Verlauf beschreiben?

Inga: Das hat ja einen tiefen dramaturgischen Hintergrund. Die ganze Geschichte ist Dorothys Traumwelt. Sie träumt, dass sie in einem Sturm in Kansas gerät, von einer Tür einen Schlag bekommt und bewusstlos in einen Stuhl fällt. In ihrem Traum tauchen alle möglichen Dinge auf, die sie im Alltag beschäftigen, unter anderem Rollen, die es in ihrem wirklichen Leben gibt. Dazu zählen ihre Tante, ihr Onkel und die ganzen Farmarbeiter. Die haben alle Eigenschaften, die man in der ersten Szene sieht. Bei dem einen dachte sie, es sei ihr Freund, aber er steht ihr überhaupt nicht bei. Tante Em schenkt ihr nicht die Liebe und Aufmerksamkeit, die sie gerne hätte. Das verarbeitet sie alles in ihrem Traum. Ihre Ängste und Wünsche sind  in den Rollen verankert.

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Jan Rekeszus; Foto: Friederike Franke

Anna-Lena: Gibt es Ähnlichkeiten zwischen euch und euren jeweiligen Figuren oder seid ihr komplett unterschiedlich?

Jan: Der Löwe ist ja schon ein bisschen überspitzt. Er leidet an einer ganz schlimmen Ängstlichkeit, die auch das ganze Stück über anhält bis zum Schluss. Aber finde ich den Löwen selbst in mir wieder? (überlegt) Ich glaube, da müsste ich schon sehr tief graben in den ängstlichen Bereichen meines Lebens.

 

Anna-Lena: Hat dieses Musical eine bestimmte Herausforderung für euch?

Inga: Für mich  ist die Herausforderung, dass Dorothy quasi fast von Anfang bis Ende auf der Bühne steht. Das ist schon sehr anstrengend. Auch wenn man nicht die ganze Zeit singt und spricht, muss man dauerhaft wach sein und gucken, was man macht, da es auch nicht langweilig werden soll.

Anna-Lena: Das Musical beinhaltet ja einige bekannte Lieder. Welches ist euer Lieblingslied?

Jan: Eigentlich gibt es ja nur ein Lied…

Anna-Lena: „The Wizard Of Oz“ ist glaube auch noch ziemlich bekannt.

Jan: Stimmt. Nein, eigentlich gibt es zwei. (lacht)

Inga: Ein Lied, das ich sehr mag, ist das Kinderlied, welches der Kinderchor singt. Das ist ein unglaublicher Ohrwurm. Ich kann nachts nicht schlafen, weil ich dieses Lied so im Kopf habe. Aber das ist nicht mein Lieblingslied.

Jan: „Ding Dong, die Hex ist tot“ natürlich. (beide lachen) Das ist dein Lieblingslied.

Inga: Das ist ja quasi die Reprise von dem Kinder-Song.

Jan: Stimmt. Es gibt doch einige Hits.

Inga: Also ich mag tatsächlich diese Zitterschneck-Nummer. Da fangen wir alle an zu tanzen, weil die Hexe Zitterschnecks auf uns hetzt.

Jan: Unbedingt das Wort googlen.

Inga: Ja. Wir wissen selber nicht so recht, was Zitterschnecks sind.

Jan: Wir müssen dafür einen Wikipedia-Eintrag erstellen.

Anna-Lena: „Der Zauberer von Oz“ ist ja für die ganze Familie gedacht. Gibt es eine bestimmte Message, die ihr auf der Bühne vermitteln wollt?

Inga: Ich persönlich möchte, was auch das Anliegen des Regisseurs ist, dass Dorothy ein taffes, freches, pragmatisches und junges Mädchen ist, welches gerade erwachsen wird. Es geht um diesen Prozess des Erwachsenwerdens und sie lernt ganz viele Dinge über sich.

Jan: Die Botschaft ist meiner Meinung nach, dass das, was wir alles immer im Außen suchen, dass das alles schon in uns drinsteckt und dass wir selber dafür verantwortlich sind.

Anna-Lena: Du bist zum ersten Mal an einer Produktion vom Magdeburger Theater beteiligt, Inga. Wie gefällt es dir hier bisher im Theater sowie in der Stadt? Konntest du ein bisschen was von Magdeburg sehen?

Inga: Von Magdeburg habe ich schon öfter was gesehen, weil ich mir hier vor ein paar Jahren schon mal „Les Misérables“ angeschaut und Freunde besucht habe.

Ich finde das Hundertwasserhaus sehr schön und den Dom natürlich. Der ist auch ganz toll. Aber da ich eigentlich jeden Tag von 10 bis 14 Uhr und von 18 bis 22 Uhr probe, habe ich nicht viel mehr gesehen.

Anna-Lena: Jan, du bist jetzt zum zweiten Mal für eine Produktion am Magdeburger Theater. Wie fühlt es sich für dich an, wieder in dieser Stadt arbeiten zu dürfen? Hast du evtl. einen Lieblingsort, an dem du dich gerne aufhältst, wenn du hier bist?

Jan: „Hair“ war ja wirklich eine der geilsten Zeiten meines Lebens. Gerade nach dem Studium, was zum Schluss hin super anstrengend war. Es hat so viel Spaß gemacht. Nicht nur die Gäste, sondern auch die Leute vom Haus waren einfach super cool und deswegen ist es umso schöner, nochmal hier arbeiten zu können. Ich finde wirklich, dass an diesem Theater eine schöne Stimmung herrscht. Einen Lieblingsort? Ich hätte jetzt auch mit dem Hundertwasserhaus geflirtet. Ich wollte immer mal in das Café Strudelhof gehen, aber das hat jetzt irgendwie Urlaub. (lacht)

Inga: Ich habe gehört, dass das Café Zentral auch ganz gut sein soll. Das muss ich noch testen.

Jan: In unseren Vorstellungen haben wir ein Lieblingscafé in Magdeburg. Aber in der Praxis gehen wir dann einfach immer zur Flinken Pfanne gegenüber vom Opernhaus. Nur Inga nicht. Inga mag kein asiatisches Essen.

Inga: Richtig.

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Anna-Lena Kramer, Inga Krischke und Jan Rekeszus; Foto: Friederike Franke

Anna-Lena: Ich habe gelesen, dass du dich für Fußball interessierst, Inga. Magdeburg ist auch eine sehr sportbegeisterte Stadt, vor allem in Sachen Fußball. Hast du schon mal daran gedacht ein Spiel vom 1. FC Magdeburg zu besuchen?

Inga: Ja natürlich. Ich liebe es, ins Stadion zu gehen. Es war mal ein Traum, selbst Profifußballerin zu werden. Ich habe ganz lange selber gespielt, mich dann aber doch für die Bühne entschieden. Aber ich spiele in meiner Freizeit noch Fußball und gucke es auch immer gerne. Magdeburg habe ich bisher aber noch nicht im Stadion gesehen, muss ich zugeben. In welcher Liga spielen sie?

Anna-Lena: In der 3. Liga.

Inga: OK. Ich bin Hannover-96-Fan und wir versuchen gerade wieder aufzusteigen. Das ist heimatbezogen. Ich komme ja aus Hildesheim und das ist da in der Nähe. Aber es gibt keine Rivalität zwischen Hannover und Magdeburg, soweit ich weiß.

Jan: Noch nicht.

Anna-Lena: Soweit ich weiß, ist da alles im grünen Bereich.

Jan: Wenn zwei Frauen neben mir über Fußball reden…

Inga: … und du keine Ahnung hast und dich fragst, was du falsch gemacht hast. (lacht)

Jan: Ich habe wirklich absolut keine Ahnung von Fußball…

Anna-Lena: Und zum Schluss kommt eigentlich die wichtigste Frage. Warum sollte man sich „Der Zauberer von Oz“ am Opernhaus in Magdeburg nicht entgehen lassen?

Jan: Wegen meiner Perücke. (beide lachen)

Es wird ein großes Spektakel! Wie Inga schon gesagt hat, haben wir den Opernchor, den Kinderchor, das Ballett, das Orchester, Statisten und Opernsolisten. Und Peter Wittig!

Inga: Das Einzige, was uns fehlt, ist ein richtiges Tier auf der Bühne.

Inga: Ansonsten gibt es alles, was man nur auffahren kann im Theater: Pyrotechnik, eine drehende Bühne, fliegende Dinge, die von oben kommen, fliegende Leute auf der Bühne und und und. Wir holen alles raus, was geht!

Inga: Es zieht einen raus aus dem Alltag und in  eine Fantasiewelt.  Das tut einem auch mal ganz gut und das ist auch der Grund, warum man auch mal ins Theater geht.

 

Tickets für „Der Zauberer von Oz“ könnt ihr hier ergattern: https://www.theater-magdeburg.de/spielplan-tickets/musiktheater/der-zauberer-von-oz/

 

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