„An die Laterne!“ – Karen Stone inszeniert „Dantons Tod“

Heute schauen wir auf die Schlagzeilen der Zeitungen und sehen die Nachrichten im Fernsehen und stellen fest, dass Gewalt und Kriege noch immer an der Tagesordnung sind. Der Dramatiker Georg Büchner schrieb 1835 ein Theaterstück über den Antrieb des Faschismus der französischen Revolution: „Dantons Tod“. Gottfried von Einem, ein österreichischer Komponist, entschied sich 1947 dieses Stück als eine Opernfassung auf die Bühne zu bringen – mit Erfolg. Zum 100. Geburtstag entschied sich das Theater Magdeburg diese Oper wieder im Opernhaus zu zeigen. Dieses Mal sogar unter der Regie der Generalintendantin selbst: Karen Stone. 

1794. Die Revolution steckt in einer Krise. Obwohl es mittlerweile eine Monarchie gibt, leben die Bürger weiterhin im Elend. Dafür macht der Terror Fortschritte. Georges Danton (Peter Bording), früher ein enger Gefolgsmann Robespierres (Stephen Chaundy), sucht die Antwort darauf, ob eine freie Gesellschaft wirklich auf grausame Taten gegründet werden kann. Robespierre ist der Meinung, dass die Gleichheit aller Menschen und der Besitzverhältnisse nur durch weitere Grobheiten herzustellen ist. Und so rücken Danton und seine Freunde selbst ins Visier des Terrors.

Das Erste, worauf man sich gefasst machen sollte, ist ein gewaltiger Chor. Ein stimmgewaltiger Chor. Obwohl dieser erst im zweiten Teil seinen Höhepunkt erreicht, ist es das, worüber man nach der Aufführung spricht. Der Chor ist das Volk; die richtende Stimme. Von schrillen Tönen bis hin zu sarkastischen Randbemerkungen ist alles dabei. Ein Hoch auf Martin Wagner, der durch seine Choreinstudierung einen bleibenden Eindruck und Gänsehaut beim Publikum überlässt. Man kann sogar fast sagen, dass der Chor die eigentliche Hauptrolle der Oper ist. Aber die Präsenz von Peter Bording als Danton zeigt eindeutig, um wen es sich dreht. Trotz seiner anfänglichen Gleichgültigkeit sticht seine selbstbewusste Ausstrahlung heraus. Er spielt nicht nur fantastisch, sondern singt auch exzellent Bariton. Ein guter Schachzug von Karen Stone ist, dass sie keinen Heldenkult ansteuert.

Musikalisch gesehen passiert wirklich viel. Neben dem Chor und Danton gibt es auch noch viele weitere wundervolle Bariton-Stimmen. Die Übertitel muss man kaum mitlesen, da die Protagonisten sehr verständlich ihre Passagen zum Ausdruck bringen. Wer sich gesanglich nochmal von allen anderen durch seinen rauchigen Tenor ein wenig abhebt, ist Amar Muchala als Camille Desmoulin. Auch das Orchester, welches unter der Leitung von GMD Kimbo Ishii steht, weist seine Vielfältigkeit auf. Mal wirkt sie dunkel, mal jazzig – sie treibt mit.

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Es ist nicht übertrieben, wenn man sagt, dass der Zuschauer ein Blutbad zu erwarten hat.; Foto: Kirsten Nijhof

Das absolute Highlight dieser Inszenierung mag aber die Hinrichtung von Danton und seinen Freunden sein. (Ausnahmsweise handelt es sich hier nicht um einen Spoiler, da schon im Titel das Ende der Oper vorhergesagt wird.) Auf der gewaltigen Guillotine steht in großen Buchstaben: „Liberté, Egalité, Fraternité“. Über diese ergießt sich ein Meer aus Blut. Ja, es wird nicht übertrieben, wenn man von einem Blutbad spricht. Der Rezipient hält automatisch die Guillotine im Blick. Dieser Moment wirkt auf der Bühne perfekt. Um diese Szene auch so authentisch und fesselnd wie möglich zu gestalten, bedarf es einer speziellen Anmischung der Flüssigkeit, die ein Geheimnis des Theaters ist. Aber die Funktion wird allemal erfüllt, auch wenn keine Details verraten werden.

Man sollte nicht allzu viel über diese Oper verraten, da sie auf der Bühne des Opernhauses für einzigartige und vor allem auch magische Momente sorgen sollte, die man sonst meistens nur im Fernsehen zu sehen bekommt. Aber genau unter diesen Umständen ist ein Theaterbesuch definitiv ein Muss: Hier zählt der Augenblick. Trotzdem sollte man sich immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass die Thematik, die dort auf der Bühne des Magdeburger Opernhauses gezeigt wird, aktueller nicht sein kann. Gesprächs- und Diskussionsstoff sollte nach der Vorstellung auf jeden Fall vorhanden sein. Und auch durch die verschiedenen Kulissen und Kostümen von Ulrich Schulz wird nochmal unterstrichen, dass man ruhig Großes wagen darf.

Tickets können unter http://www.theater-magdeburg.de oder direkt an der Theaterkasse erworben werden.

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