„Das wird nie ein Film!“ – „Mondlicht und Magnolien“ zum letzten Mal im Schauspielhaus

„Vom Winde verweht“ ist einer der größten US-Filme aller Zeiten. Jeder hat den Namen der Literaturverfilmung schon einmal gehört und meistens sogar auch gesehen. Die Produktion zog sich in die Länge und viele Stolpersteine mussten auf dem Weg zum großen Erfolg beiseite geschafft werden. Der Drehbuchautor Ron Hutchinson schrieb mit „Mondlicht und Magnolien“ ein Theaterstück, welches auf wahren Begebenheiten der Vorproduktion des weltbekannten Films beruht. Ruth Messing holte die Komödie auf die Theaterbühne in Magdeburg. 

Hollywood im Jahre 1939. Die Jahrhundert-Produktion des Romans „Vom Winde verweht“ von Margaret Mitchell will einfach nicht in Gange kommen. Kein Wunder, denn das Drehbuch ist noch nicht mal fertig. Deswegen steht für den Produzenten David O. Selznick (Burkhard Wolf) fest, dass er den besten Drehbuchautoren seiner Zeit braucht: Ben Hecht (Marian Kindermann). Dieser hat das Buch noch nicht mal gelesen; gerade einmal die erste Seite – und die findet er schon zum Würgen. Und auch Victor Fleming (Zlatko Maltar) wird als neuer Regisseur angeheuert. Da die Produktion dringend vorangehen muss, ordnet Selznick bei seiner Sekretärin Miss Poppenghul (Iris Albrecht) an, das Trio für fünf Tage im Büro einzuschließen, damit ein völlig neues Drehbuch entstehen kann. Mit Bananen und Erdnüssen ausgestattet, spielen Selznick und Fleming Hecht den 1.047-seitigen Wälzer vor, damit alle zusammen herausfiltern können, was relevant für die Verfilmung ist und was nicht. Nervenzusammenbrüche sind dabei vorprogrammiert.

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Nach fünf Tagen gleicht das Büro von David O. Selznick einem Schlachtfeld – oder auch einem Affenkäfig.; Foto: Nilz Böhme

Wenn man ins Kino geht und sich einen Film ansieht, lässt man sich einfach berieseln und denkt meistens nicht daran, wie viel Schweiß man bei solchen Produktionen vergießt und wie viele Auseinandersetzungen es vielleicht gibt, damit das Publikum das Bestmögliche zu sehen bekommt. Gleiches gilt auch für das Theater. Mit „Mondlicht und Magnolien“ bietet Hutchinson den Zuschauern die Möglichkeit, auf eine charmante Art und Weise einmal hinter die Kulissen einer Entstehungsgeschichte zu schauen. Dass es sich dabei um Übertreibungen handelt, sollte jedem bewusst sein. Regisseurin Ruth Messing und Dramaturgin Laura Busch brachten in der Spielzeit 2016/2017 die Hollywood-Boulevardkomödie auf die Bühne des Schauspielhauses – mit Erfolg. Zusammen mit der Bühnen- und Kostümbildnerin Theresa Klement erschufen sie eine kleine Traumfabrik Hollywoods in Form eines Büros, welches sich in den rund 90 Minuten immer mehr zu einem Schlachtfeld verwandelt. Es fliegen Bananen und Erdnussschalen durch die Gegend, genau wie verbale Auseinandersetzungen. Die Protagonisten sind schließlich fünf Tage von der Außenwelt abgeschottet. Wen würde solch eine Situation nicht unter Druck setzen? Stress ist vorprogrammiert und der Stress breitet sich auch von Tag zu Tag immer mehr aus. Viele Aussagen sind nicht nur komisch, sondern auch nachvollziehbar. So oder so ähnlich könnten sich tatsächlich einige Stresssituationen unter Männern abspielen. Dazu trägt die großartige Besetzung bei.

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Victor Fleming (Zlatko Maltar) und Ben Hecht (Marian Kindermann) überlegen, ob sie die Chance ergreifen und vor Mr. Selznick (Burkhard Wolf) flüchten.; Foto: Nilz Böhme

Eingeschlossen im Studio mit Burkhard Wolf, Marian Kindermann und Zlatko Maltar: Was für die Figuren die reinste Qual sein muss, ist für den Zuschauer pure Unterhaltung. Sie verkörpern ihre Rollen so dermaßen gut, sodass man sich als Zuschauer wirklich vorstellen könnte, dem Szenario fünf Tage am Stück beizuwohnen. Aber man selbst möchte natürlich nicht unbedingt zu dem Trio direkt dazustoßen, welches sich am Rande des Wahnsinns befindet. Als Selznick beweist Burkhard Wolf viele Facetten auf. Er ist ein knallharter Geschäftsmann mit Perfektionismus. Das merkt man auch, mit wie viel Feingefühl er sich den Figuren aus dem Buch hingibt. Gerade wie er seine imaginäre Haarpracht nach hinten wirft, sorgt jedes einzelne Mal für Gekicher. Maltar ist ein Schauspieler, der in jeder Komödie funktioniert. Als Fleming zeigt er sich auf der einen Seite ziemlich cool und maskulin, aber auf der anderen Seite ist er auch ein kleines Weichei und hat den Hang zur Übertreibung. Wenn man Marian Kindermann als Ben Hecht sieht, möchte man ihm fast nicht zutrauen, dass er seinen Mund aufmacht und sagt, was er wirklich denkt. Aber wer das denkt, hat nun mal falsch gedacht. Er ist eine ehrliche Haut und wenn ihm etwas missfällt, dann sagt er das auch ohne Scheu, auch wenn er damit bei Selznick meistens auf Granit beißt. Alle drei Schauspieler sorgen dafür, dass man dieses Stück nicht so schnell vergisst. Und obwohl die Rolle von Iris Albrecht als Sekretärin etwas klein für eine solch talentierte Frau ist, muss man trotzdem lachen, wenn sie zum Einsatz kommt. Obwohl sie mit den Herren zusammen im Büro lebt, hält sie sich eher im Hintergrund auf. Sie ist dazu im Stande, den minimalen Kontakt zur Außenwelt aufrechtzuerhalten, auch wenn es ihrem Boss nicht immer gefällt, wenn sie sich ihm ein wenig widersetzt.

„Mondlicht und Magnolien“ ist eine herrliche Komödie, die einen wirklich aus dem tristen Alltag reißen und unterhalten kann. Nein, nicht kann, sie WIRD. Mit der wunderbaren Besetzung kann ein Theaterabend einfach nicht ruiniert werden. Dieses Stück ist einfach ein absolutes Must-See im Theater. Doch leider ist der letzte Vorführungstermin der 26. Januar. Wer also auf den Zug mit aufspringen und wissen möchte, wie der zehnfache Oscargewinner „Vom Winde verweht“ entstand (mehr oder weniger), der sollte sich also noch schnell sein Ticket holen. Dieses gibt es wie immer unter http://www.theater-magdeburg.de oder direkt an der Theaterkasse.

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Die Situation scheint zu eskalieren.; Foto: Nilz Böhme

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