Das Ende der Goldenen Zwanziger und der Anfang vom Nationalsozialismus

„Willkommen, bienvenue, welcome…!“ Mit diesen Worten begrüßt der Conférencier (gespielt von Adrian Becker) das Publikum zur Premiere von „Cabaret“ im Magdeburger Opernhaus. Und schon befindet man sich in einer anderen Zeit. Um genau zu sein ins Jahr 1929, welches sich gerade dem Ende zuneigt. Der amerikanische Schriftsteller Clifford Bradshaw (gespielt von Oliver Morschel) reist in die deutsche Hauptstadt um nach potentiellen Stoff für seinen neuen Roman zu suchen. Deswegen stürzt er sich sofort ins wilde Berliner Nachtleben und landet letztendlich im angesagtem Kit-Kat-Klub. Dort lernt er die attraktive Sängerin Sally Bowles (gespielt von Anna Preckeler) kennen. Sie zeigt Interesse an ihn, doch sie ahnt nicht, dass er vorher nur mit Männern Beziehungen geführt hat.

Aber das sind nicht die einzigen Figuren, die dieses Musical prägen. Auf Empfehlung des Deutschen Ernst Ludwig (gespielt von Markus Liske), den Clifford bei seiner Einreise kennenlernt, nimmt er sich in der Pension von Fräulein Schneider (gespielt von Ks. Undine Dreißig) ein Zimmer. Diese verliebt sich in den jüdischen Gemüsehändler Herr Schultze (gespielt von Peter Wittig). Doch obwohl alles am Anfang so harmonisch wirkt, entwickelt sich alles zu einer wahren Katastrophe. Denn mit dem Anbruch der Dreißiger Jahre beginnt auch die Machtübernahme der Nationalsozialisten.

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Markus Liske (Ernst Ludwig), Oliver Morschel (Clifford Bradshaw), Anna Preckeler (Sally Bowles), Ks. Undine Dreißig (Fräulein Schneider) ©Kirsten Nijhof

Mit „Cabaret“ bringt der Regisseur und Ausstatter Sebastian Ritschel ein historisches Musical auf die Bühne Magdeburgs. Eine Revuetreppe mit nachgebildeten Leuchtreklamen der bekanntesten Einrichtungen, grandiose Kostüme im Stil der Zeit, dazu die Kompositionen von John Kander (musikalische Leitung in Magdeburg: Damian Omansen) mit verschiedenen Show- und leiseren Nummern.

Schaut man heute in die Zeitung und liest Nachrichten, kann man klare Parallelen zu der damaligen Zeit erkennen. Das ist kein Geheimnis mehr. Politische und gesellschaftliche Umschwünge sind nichts Neues. So schillernd und aufregend das Leben damals in der Hauptstadt war, aber es war auch kein Geheimnis, dass viele Bürger unter Wohnungsnot, Massenarbeitslosigkeit und Verlustängste litten. Den Geist der Zeit hat Ritschel mit diesem Musical definitiv auf die Bühne des Magdeburger Opernhauses gebracht.

© www.AndreasLander.de
Anna Preckeler (Sally Bowles) ©Andreas Lander

Am 12. November feierte „Cabaret“ seine Premiere auf der Bühne der Landeshauptstadt. Die Begeisterung beim Publikum war groß, was man an der stehenden Ovation festmachen konnte. Schon während der Aufführung konnte man immer wieder ein lautes „Bravo!“ aus der Masse vernehmen. Das lag nicht nur an der Thematik, sondern auch an den Musical-Darstellern. Hier begeisterte vor allem die junge Anna Preckeler als Sally Bowles. Eine zarte, dennoch gewaltige Stimme mit einer atemberaubenden Performance. Als Zuschauer spürt man förmlich, wie sehr sie ihre Rolle lebt. Aber auch das Duo Ks. Undine Dreißig und Peter Wittig aka Fräulein Schneider und Herr Schultze gewannen im Sturm die Herzen der Zuschauer. Wenn man die beiden auf der Bühne beobachtet, dann muss man teilweise auch an seine eigene erste große Liebe zurückdenken. Doch einer stiehl wirklich allem die Show: Adrian Becker als Conférencier. Er kommentiert nicht nur die Handlung, sondern ist auch ein Teil von ihr. Und er zeigt viele verschiedene Gesichter. So facettenreich wie er ist in dem Musical niemand. Und wenn man ehrlich ist, dann ist er auch der eigentliche Hauptdarsteller. Es ist also nicht verwunderlich, wenn man nach dem Verlassen des Musicals das ein oder andere Mal lächeln muss, wenn man an ihn denkt oder den ein oder anderen Ohrwurm hat.

Aber nicht nur die Besetzung ist ein wahrgewordener Traum, sondern auch die verschiedenen Kulissen. Diese Revuetreppe, Fräulein Schneider’s Zimmer – eine Liebe bis ins kleinste Detail wird dem Publikum hier geboten. Erst funkelnd und schillernd, im zweiten Akt eher düster und kalt. Es macht sich schon ein mulmiges Gefühl im Bauch breit, wenn sich die Lichterstadt Berlin auf einmal nationalsozialistisch verwandelt; wenn Fahnen mit Hakenkreuzen aufgezogen werden. Aber all das bleibt im Gedächtnis und macht „Cabaret“ zu einem guten Musical, welches von Jung und Alt besucht werden kann.

© www.AndreasLander.de
Adrian Becker (Conférencier), Ensemble ©Andreas Lander

Wer dieses Musical auch gerne besuchen möchte, der kann sich noch Karten besorgen. Diese kann man unter www.theater-magdeburg.de, telefonisch unter der Nummer 0391 40 490 490 oder per Mail unter der Adresse kasse@theater-magdeburg.de reservieren oder kaufen. Jeder ist hier „willkommen, bienvenue, welcome…“.

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