Fernweh – oder doch Heimweh?!

Diese Seite mutiert schon fast zu einem reinen Theaterblog. So war das natürlich nicht gedacht. Deswegen versuche ich heute mal wieder ein bisschen Abwechslung hineinzubringen. Denn diejenigen, die einen Teil von meinem Leben auf Instagram verfolgen, wissen, dass ich eine ganz besondere Verbindung zu Bukarest habe. Vor genau einem Jahr befand ich mich dort, um mein Auslandspraktikum zu absolvieren. Da es für mich mit die bisher schönste Zeit meines Lebens war, schwelge ich oft in Erinnerungen und denke noch immer täglich an bestimmte Momente zurück – vielleicht auch ein bisschen zu oft. Trotzdem möchte ich heute einfach mal ein paar Sachen schriftlich festhalten, damit ihr ein paar Eindrücke besser nachvollziehen könnt. 

Ihr müsst wissen, dass ich schon immer diese Stadt besuchen wollte und ich mir somit einen Traum erfüllen konnte, der gleich über drei Monate andauern sollte. Natürlich habe ich mich gefreut, aber der Zeitpunkt zum Gehen kam eigentlich etwas ungelegen. Ich habe mich gerade in Magdeburg eingelebt, neue Freunde gefunden, meine Liebe dem 1. FC Magdeburg geschworen – und all das musste ich für eine kurze Zeit zurücklassen. Für andere völlig OK, doch für mich brach vor meinem Reiseantritt innerlich eine kleine Welt zusammen. Ich hatte große Verlustängste, die sich auch später für einen Teil bewahrheiten sollten. Doch komischerweise verschwanden meine Ängste, je näher ich dem Flughafen kam. Und der Empfang hätte nicht besser sein können. Auf einmal war ich bereit und fragte mich, warum zur Hölle ich die ganze Zeit Schiss hatte. Schließlich lernte ich dort wunderbare Leute kennen, die mit der Zeit zu meinen Freunden wurden. Dass ich von meinem eigentlichen Zuhause etwa 2.000 Kilometer Luftlinie entfernt war, habe ich fast vergessen. Denn zu den Leuten, die mir wichtig waren und auch andersrum, bestand weiterhin Kontakt. Meine Liebe zu der Stadt Magdeburg und den Menschen, die dort leben, ist ebenfalls kein Geheimnis. Ich freute mich natürlich auch nach den drei Monaten auf meine Rückkehr. Trotzdem gibt es seitdem immer wieder ein paar Kleinigkeiten, an die ich sehr oft zurückdenken muss und die mich jeden einzelnen Tag weiterhin begleiten.

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Auf der Calea Victoriei befindet sich die prächtige CEC-Bank.

Bukarest ist riesig. Auch nach den drei Monaten plus meiner einwöchigen Rückkehr im September 2017 gibt es noch immer Ecken, die ich noch nicht gesehen habe. Ich habe nach Feierabend und an den Wochenenden immer versucht, so viel wie möglich zu besichtigen und zu erleben. Aber natürlich schleichen sich die ein oder anderen Lieblingsplätze ein, die man häufiger besucht. So zog es mich an einigen Abenden immer wieder zum Lacul Morii, der nur zehn Minuten mit dem Fußbus von meiner Unterkunft entfernt lag. Mich faszinierten die unterschiedlichen Sonnenuntergänge, die sich dort immer wieder ereigneten. Ich bin zwar kein Freund von so viel Kitsch und Romantik, aber dieser Anblick war immer wieder sehenswert. Außerdem fühlte ich mich der Natur dort sehr verbunden. In Bukarest gibt es gefühlt an jeder zweiten Ecke eine große Parkanlage. Nichts Besonderes? Für mich schon. Dort konnte ich mich nicht nur entspannen und nachdenken, sondern auch ein bisschen Sport treiben. Nicht nur einfach laufen, sondern jeder größere Park hatte eine Auswahl an Sportgeräten, die man sonst nur bedienen kann, wenn man ein Fitnessstudio aufsucht. Noch ein weiterer Pluspunkt: Man konnte diese Geräte benutzen, ohne dafür nur einen Cent (oder in meinem Fall Bani) bezahlen zu müssen. Besonders oft hielt ich mich u.a. im Parcul Herăstrău und Izvor auf. Im Izvor-Park saß ich manchmal stundenlang und blickte die ganze Zeit auf den Parlamentspalast. Meistens verband ich das gleich mit einem Besuch der Altstadt und der Calea Victoriei. Allein dort gibt es unzählige Sehenswürdigkeiten, die mich jedes Mal auf’s Neue fasziniert haben.

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Die schönste Buchhandlung weltweit.

Eine Sehenswürdigkeit im Lipscani-Viertel, die man nicht unbedingt auf dem Schirm hat, ist beispielsweise eine Buchhandlung namens Cărturești. Von draußen ziemlich unscheinbar und normal, aber wer dort reingehen, wird vielleicht verstehen, wenn ich sage, dass es die schönste Buchhandlung überhaupt ist. Nicht weit entfernt befindet sich die Universität und der Piața Unirii. All diese Plätze kann man zwar auch mit der Metro anfahren, aber ich habe meistens immer einen längeren Spaziergang eingelegt. Das Wetter war ja auch so schön. Apropos Wetter: Auch Regen konnte mich nicht davon abhalten, die Stadt zu sehen. Es ist interessant, was für unterschiedliche Wirkungen gewisse Distrikte und Gebäude bei wechselnden Wetterverhältnissen haben. Und da ihr auch wisst, dass ich mich sehr für Architektur interessiere, kam ich auch hier ziemlich auf meine Kosten. Allein deswegen empfehle ich jedem, der sich für Architektur und Geschichte interessiert, einen Trip nach Bukarest. Ich kann zwar nicht von mir behaupten, dass ich schon viele Länder und Städte der Welt gesehen habe. Aber ich bin mir sicher, dass Bukarest eine der facettenreichsten Städte weltweit ist.

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In Bukarest gibt es sehr ausgefallene Häuser.

Wer gerne ins Kino geht, der hat in Bukarest die Möglichkeit, ein ganz anderes Filmerlebnis zu sammeln. Als ich gelesen habe, dass es dort ein 4DX-Kino gibt, war für mich sofort klar, dass ich dort hin musste. Ihr wisst nicht, was dieses 4DX bedeutet? Dort sitzt man in Sesseln, die sich passend zu dem Geschehen auf der Leinwand bewegen, Wasser spritzt dir entgegen, passende Gerüche werden in den Saal gelassen – nur mal um ein paar Beispiele aufzuzählen. Mich hat das natürlich vom ersten Moment an gefesselt. So lief ich gerne auch schon mal zwei Kilometer zur Mega Mall hin und wieder zurück zur Metro (also etwas über vier Kilometer insgesamt), weil das Bus- und Straßenbahnverfahren etwas komplizierter zu verstehen ist. Filme wie „Pirates of the Caribbean: Salazars Rache“, „Guaridans of the Galaxy: Volume 2“ oder „Fast & Furious 8“ in 4DX zu sehen, ist schon purer Luxus und wirklich ein Abenteuer. Aber vielleicht ist es auch ein Grund, warum ich momentan in Deutschland nicht mehr so oft ins Kino gehe. Natürlich war ich Ende 2017 ziemlich enttäuscht von den Neuerscheinungen und hatte somit wenig Bock weitere Enttäuschungen in Kauf nehmen zu müssen. Aber obwohl ich mich z.B. sehr auf „Thor: Tag der Entscheidung“ gefreut habe, habe ich mich gegen einen Kinobesuch entschieden. Nicht, weil ich Angst vor einer weiteren Enttäuschung hatte, sondern weil ich mich jedes Mal, wenn ich den Trailer in Deutschland im Kino gesehen habe, wieder an die 4DX-Werbung in Bukarest zurückerinnern musste. Ich würde es jetzt einfach mal als Phantomschmerz bezeichnen. Vielleicht versteht ihr, was ich meine. Jedenfalls möchte ich diese Erfahrungen nicht missen und hoffe, dass es vielleicht auch bald mal solch ein Kino in meiner Nähe gibt. (Ja, in Deutschland gibt es bereits das ein oder andere 4DX-Kino.)

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Die Sonnenuntergänge am Lacul Morii sind jedes Mal atemberaubend.

Außerdem liebe ich die rumänische Sprache. Es hört sich alles so viel schöner und lieber auf Rumänisch an. Deswegen lerne ich noch immer mehr, weil ich diese Sprache so toll finde (zwar in langsamen Schritten, aber immerhin). Ein Grund dafür liegt natürlich an einigen Freunden, mit denen ich mich nicht nur auf meiner, sondern auch auf ihrer Muttersprache unterhalten möchte. (Ja, ich habe überwiegend auf Deutsch gesprochen.) Ein weiterer Grund ist der Musik verschuldet. Neben O-Zone lernte ich auch einige andere rumänische Künstler während meines Auslandsaufenthaltes kennen, von deren Klängen ich sehr angetan war. Eine Gruppe, die zwar nicht aus Rumänien kommt, aber überwiegend auf dieser Sprache singt, nennt sich Carla’s Dreams. Sie legen nicht nur außergewöhnliche Bühnenshows mit ihrem verschieden maskierten Outfits hin, sondern haben es auch geschafft, mir mit ihren Lyrics direkt ins Herz zu treffen, obwohl ich anfangs noch nicht mal die Hälfte verstanden habe. Als ich später die Übersetzungen einiger Lieder googlete, die es mir angetan haben, spürte ich, dass ich unbewusst doch kapiert habe, worum es in den Tracks ging. Obwohl ich quasi nach einer Übersetzung gesucht habe, kannte ich diese bereits, ohne es zu wissen. Vielleicht lag es auch daran, dass es gerade der Zeitpunkt war, wo diese besagten Verlustängste von der deutschen Seite aus eintrafen und ausgerechnet diese Lieder meine Gefühle widerspiegeln sollten. Das hat mich alles so sehr fasziniert, dass ich diese Gruppe heute zu meinen Lieblingskünstlern zähle. Ziua Europei sei Dank! Und obwohl ich nicht damit gerechnet habe, werden Carla’s Dreams im Juni auch endlich nach Deutschland kommen. Vielleicht lasst ihr euch auch mal darauf ein und hört euch einfach mal ein paar Songs von ihnen an – auf Deezer, Spotify oder sogar live.

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Nicht nur Arbeitskollegen, sondern auch Freunde.

Was mir auch noch fehlt, sind einige Menschen, die ich dort kennen und lieben gelernt habe. Auch wenn man es nicht auf Anhieb denken mag, aber die Rumänen sind, obwohl sie nicht viel Geld haben, ein sehr herzliches Völkchen. Sie sind zwar in einigen Dingen speziell, aber ich habe mich nie fehl am Platze gefühlt. Auch was das Feiern betrifft, habe ich hier nur positive Erfahrungen sammeln können. Natürlich lernte ich auch einige andere internationale Leute kennen. Aber allgemein muss ich wirklich sagen, dass sich die Deutschen beispielsweise in Sachen Gastfreundlichkeit von den „Zigeunern“ noch ein paar Scheiben abschneiden können. Ich weiß, was die Rumänen in meinem Heimatland für einen Ruf haben – gerade in Magdeburg, weil hier auch viele leben. Da muss ich auch gestehen, dass die mediale Berichterstattung und somit Kollegen von mir nicht ganz unschuldig daran sind (um einfach mal nicht unbedingt den politischen Aspekt hier anzuschneiden). Aber ich kann diese Meinung nicht vertreten. Man kann einfach nicht immer alles und jeden über einen Kamm scheren. Punkt.

Wie ihr merkt, liegt mir wirklich viel an dieser Stadt, an dem Land und an den Menschen, die ich dort kennengelernt habe. Eine Rückkehr habe ich nie ausgeschlossen. Ich hatte in den letzten Monaten schon öfter den Gedanken, nach meinem Studium nochmal für eine Weile bei der ADZ zu arbeiten. Aber so eine Entscheidung ist nicht einfach. Ich bin auch glaube momentan noch etwas feige, so einen großen Schritt zu wagen. Doch die drei Monate im vergangenem Jahr bleiben unvergessen und werden mich ein Leben lang begleiten. Und wie gesagt: Eines Tages werde ich doch nochmal ein weiteres großes Abenteuer planen.

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Übersetzt heißt „Iubesc“ nichts anderes als „Liebe“.

 

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