Das Geheimnis unserer Freundschaft

Wer diesen Blog verfolgt, der hat jetzt bestimmt damit gerechnet, dass ein weiterer Beitrag über meine Zeit in Rumänien erscheint. Das ist aber nicht der Fall. In diesem Aufsatz werde ich zur Abwechslung einmal sehr p e r s ö n l i c h. Ich kann nicht versprechen, dass er kurz und knackig wird. Wer also keine Lust auf Gefühlsdusseleien hat, dem bin ich nicht böse, wenn er jetzt die Seite wegklickt. Diejenigen, die dann doch bis zu einem gewissen Punkt weiterlesen, vor denen ziehe ich meinen imaginären Hut.

Als wir alle noch zur Schule gegangen sind, haben wir jeden, mit dem wir uns gut verstanden haben, als Freund bezeichnet. Doch je älter und vor allem reifer man wird, ändert sich die Definition von Freundschaft für jeden. Ich muss zugeben, dass ich die Menschen um mich herum angefangen habe, in verschiedene Kategorien einzustufen. Dazu zählen z.B. Kollegen, Kommilitonen, Bekannte und Freunde. Es gibt einen sehr kleinen Kreis, den ich zu meinen engen Freundschaften zähle. Zu den engsten und vor allem längsten Freundschaften zählt Christopher. Trotz kurzen „Beziehungspausen“ fanden wir trotzdem immer wieder zueinander. Diese Freundschaft kommt diesen Sommer in das verflixte siebte Jahr. Es sieht bis dato nicht danach aus, dass es zu einem Bruch kommen wird. Und daran glaube ich auch nicht.

Wenn ich ehrlich sein soll, bin ich ein Mensch, der sich viel mehr für sein Gegenüber interessiert. Meistens muss man mich konkret nach bestimmten Dingen fragen. Aber dann wege ich trotzdem ab, wem ich was mitteilen möchte. Wer meine Aktivitäten in den sozialen Netzwerken verfolgt, bei dem könnte ich den Eindruck erwecken, dass ich fast mein ganzes Leben dort teile. Ganz ehrlich: Ich liebe mein Leben mit all seinen Ecken und Kanten und teile dieses auch gerne mit anderen Menschen. Aber das, was ich zeige, ist noch nicht mal ein ganzer Bruchteil meines Daseins. Wer also meint, dass er mich kennt, nur durch meine ganzen Internet-Postings, der liegt komplett daneben. Man kann doch nur eine Beziehung zu jemanden aufbauen, wenn man mit seinem Gegenüber verbal kommuniziert – oder liege ich da falsch?!

Aller Anfang ist nicht schwer, sondern braucht Zeit

Im Herbst 2013 besuchte ich die Premiere von „White House Down“. Ich verabredete mich dort mit zwei Bekannten. Diese brachten noch eine Freundin mit. Ihr Name war Michelle. Wir verstanden uns auf Anhieb. Vielleicht lag es auch daran, dass wir beide Channing Tatum gut fanden. Deswegen waren wir auch auf der Premiere, weil wir ihn sehen wollten. Aber wir waren beide eher schüchtern und unsere Konversationen verliefen relativ kurz. Nach dem Event wurden wir Facebook-Freunde. Dort schrieben wir einige Male, doch als intensiven Kontakt würde ich es nicht bezeichnen. Das erste Mal sahen wir uns auch erst auf der Premiere von „Fifty Shades of Grey“ im Februar 2015 wieder. Unsere Gespräche waren trotzdem noch etwas reserviert. An sich kannten wir uns ja überwiegend nur aus dem Internet. Aber in diesem Jahr sollte sich das ändern. Wir trafen uns einige Male privat in ihrer Heimatstadt Berlin mit einer Freundin von uns. Es war ganz gut, dass wir uns abseits von Veranstaltungen sahen. So konnten wir auch eine bessere Bindung zueinander aufbauen. Der Kontakt wurde immer mehr.

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Mit ihm fing quasi alles an: Channing Tatum.

Drei Jahre später verabredeten wir uns auf der Eröffnungsgala der Berlinale. Der Grund: Channing Tatum sollte wieder über den Red Carpet laufen. Wir verbrachten das erste Mal den ganzen Tag miteinander. Und was soll ich sagen: Wir hatten den ganzen Tag über genug Gesprächsstoff. Daran war nicht nur Mister Tatum Schuld, sondern auch ein Ex-Boyband-Mitglied. Michelle erzählte mir, dass sie vor einigen Jahren für ihn geschwärmt hat. Zum Geburtstag schenkte sie ihm DVD’s einer bekannten Serie. Am Morgen des 11. Februars bekam sie von diesem Typen eine Nachricht auf Facebook, wo er ihr anbot, dass man die Serie mal zusammen bei ihr schauen könnte. Und das nach vier Jahren. Er dachte anscheinend ernsthaft, dass sie auf seine Masche anspringen würde. Doch das tat sie nicht. Sie interessierte sich nicht mehr für ihn und das versuchte sie ihm auch klarzumachen. Das war ein Punkt an ihr, den ich sehr schätzte. Sie war durch und durch ein ehrliches Mädchen und sie ist auch nicht auf den Mund gefallen. In dieser Sache ähneln wir uns sehr. Vielleicht war u.a. das ausschlaggebend für unsere Freundschaft, die wir anfingen aufzubauen. Zum krönenden Abschluss des Tages konnten wir sogar noch ein Foto mit unserem geliebten Channing Tatum erhaschen.

 

Mehr Schein als Sein

Wenn man als fremde Person auf Michelles Instagram-Account stößt, könnte man von ihr denken, dass sie eine oberflächliche Luxus-Tusse ist, die mit ihrem Feed bekannt werden möchte. Überwiegend findet man dort Fotos von ihr in Model-Posen. Sie ist wirklich eine sehr hübsche Frau. Doch wer sie näher kennenlernt, der wird schnell merken, dass das Internet einen extrem täuschen kann. Sie ist weder selbstverliebt noch oberflächlich. Ihr ist es egal, was für einen Status jemand hat. Sie interessiert sich für das Innere eines Menschen. Da kann jemand noch so äußerlich attraktiv sein. Wenn jemand einen hässlichen Charakter hat, dann ist diese Person auch optisch hässlich. Ich teile diese Einstellung mit ihr.

„… and I know when that hotline bling…“

Einen Monat später kam sie mich das erste Mal in Magdeburg besuchen. Ich wollte ihr meinen Lieblingsclub zeigen, da uns auch das Tanzen und Musikrichtungen wie Black Music, R’n’B und HipHop verband. Ihr gefiel es im Club und wir hatten sichtlich Spaß. Irgendwann spielte der DJ „Hotline Bling“ von Drake. Wir rasteten beide zeitgleich vor Freude aus. Im Nachhinein mussten wir feststellen, dass wir dieses Lied total feierten. Das ganze Wochenende über spielten wir immer wieder diesen Song ab. Ich verband „Hotline Bling“ mit einem gewissen Ereignis und mit einer bestimmten männlichen Person. Nun verband ich auch Michelle mit diesem Track. Wir mochten nicht nur den Track, sondern outeten uns auch als Drake-Fans. Wir hatten diesen gemeinsamen Wunsch, eines Tages ein Konzert von ihm zu besuchen. Dort war uns noch nicht bewusst, dass dieser Traum ein Jahr später in Erfüllung gehen würde. Neben den ganzen „Hotline Bling“-Einwürfen tauschten wir an diesem Wochenende auch viel über unser Wohlbefinden aus. Wir wurden immer lockerer und wir erzählten uns Dinge, die wir eigentlich selbst mit uns ausmachen und eigentlich auch mit niemandem teilen. Noch nicht mal mit unseren engsten Freunden. Aber irgendwas entwickelte sich da zwischen uns, was ich bis heute nicht richtig erklären kann. Müsste ich es versuchen, so wie jetzt, würde ich es als Seelenverwandtschaft beschreiben. Denn in den folgenden Monaten wurden wir mit ähnlichen Lebensereignissen konfrontiert, die schon kein Zufall mehr sein konnten.

Every Blondie needs a Brownie

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Wir haben 2016 gemeinsam hinter uns gelassen und sind zusammen ins neue Jahr gestartet.

2016 wurde der Kontakt immer intensiver und wir sahen uns immer öfter, aber nicht zu viel. Wir fanden etwas, was wir vorher noch nie bei einem anderen Menschen so extrem verspürten, ohne danach gesucht zu haben: blindes Vertrauen. Mittlerweile waren wir unzertrennlich, obwohl wir zweieinhalb Stunden Busfahrt voneinander entfernt wohnen. Die Bindung zwischen uns war extremer als zu manchen Leuten, die sich in unserem engeren Umfeld befanden. Möglicherweise lag es daran, dass wir, wie oben schon genannt, zur gleichen Zeit ähnliche Dinge durchlebten, die mal schön und mal weniger schön waren. Wir konnten uns jederzeit darüber austauschen und die Gefühle des jeweiligen Anderen nachvollziehen. Und ja, es gibt Dinge oder Entscheidungen, die unsere anderen Freunde so nicht verstehen würden. Wir akzeptieren uns so, wie wir nun mal sind, mit all unseren Ecken und Kanten, denn niemand ist perfekt. Und obwohl wir manchmal Meinungsverschiedenheiten haben, tollerieren wir uns. Durch uns entstandene Insider ermöglichen uns auch öffentlich bei Facebook über bestimmte Themen zu diskutieren. Ich muss jedes Mal schmunzeln, wenn jemand zu mir sagt: „Ich habe die Markierung von Michelle und dir gelesen.“ Von einigen Leuten weiß ich auch, dass sie unsere Kommentare verfolgen. Sie wissen aber trotzdem nicht zu 100 Prozent, worüber genau wir sprechen. Wir werden viel miteinander in Verbindung gebracht, weil viele Menschen wissen, dass wir uns sehr nahe stehen. Es ist halt keine „Tagebuch-Freundschaft“, wo ein Part dem anderen nur seine Erlebnisse und Wehwehchen erzählt, sondern wir können uns gegenseitig darüber austauschen und darauf eingehen.

Ferne baut gewisse Distanzen auf – oder auch nicht

Ich muss gestehen, dass ich vor meinem Auslandspraktikum Angst davor hatte, bestimmte Menschen aus meinem Leben zu verlieren. Aber ich sah es gleichzeitig als eine Art Probe an. Wer meldet sich? Wer meldet sich regelmäßig und wer eher weniger? Ergo: Wie wichtig bin ich jemanden, obwohl wir über tausend Kilometer voneinander entfernt sind. Mittlerweile ist mehr als die Hälfte der Zeit vergangen und mir sind einige Dinge bewusst geworden. Es ist komisch: Manche Freunde, von denen man gedacht hat, dass sie sich relativ häufig melden würden, machen sich eher selten bemerkbar. Dann gibt es auch noch die, wo man nicht mit gerechnet hat, dass sie sich so oft bei einem melden, es aber komischerweise doch tun. Und es gibt Michelle, die 24/7 an meiner Seite ist. Für uns hat sich nichts geändert. Die Entfernung stellt für uns absolut kein Hindernis dar. Müsste ich uns gerade mit bekannten Personen oder Figuren vergleichen, wären wir E.T. und Elliott. Natürlich sind wir beide Menschen, aber dieses: „Ich bin immer bei dir.“, was E.T. am Ende des Films zu Elliott sagt, trifft halt voll und ganz auf uns zu. Wahre Freundschaft kennt halt keine Grenzen.

Man kennt ja diese Storys, dass solche innigen Freundschaften zum Scheitern verurteilt sind. Deswegen sollte man sich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen und sagen, dass man für immer befreundet sein wird. Doch ich mache es trotzdem, weil ich mir das erste Mal in meinem Leben so sicher wie nie zuvor bin, dass etwas Ewigkeiten halten kann. Dafür haben wir schon zu harte Dinge erlebt, die uns hätten die Freundschaft kosten können. Wir sind in unserem Denken und Handeln wirklich einzigartig. Wer uns zusammen erlebt, der bekommt davon auch schnell Wind. Unser Freundschaftsgeheimnis? Nun, es gibt keins. Wir sind einfach so, wie wir sind und verstellen uns nicht. Wir haben keine Geheimnisse voreinander. Uns gibt es quasi nur im Doppelpack, auch wenn man im ersten Moment nicht davon ausgeht, weil dieses auch auf einer seelischen Basis passiert. Kurz gesagt: Wer mit mir Zeit verbringt, verbringt auch automatisch Zeit mit Michelle, auch wenn sie nicht in Fleisch und Blut anwesend ist.

#FRIENDSISALLWENEED

Wer diesen Beitrag bis zu diesem Absatz gelesen hat, der denkt sich bestimmt: „Boah, ihr bedeutet nur diese eine Freundschaft etwas.“ Falsch gedacht. Meine Freunde wissen ganz genau, dass ich sie wertschätze. Und meine engen Freunde sind nicht nur meine engen Freunde, sondern sie sind meine Familie, die ich mir selbst ausgesucht habe. Das hat schon seine Gründe, warum ich sie so bezeichne. Sie wissen es auch. Und sie wissen auch, dass Michelle und ich sowas wie Zwillinge sind. Es gibt keinen Grund zur Beunruhigung, dass ich sie weniger lieben würde. Alle zusammen ergeben einen wichtigen Part in meinem Leben, auf den ich nicht mehr verzichten möchte.

Meine persönlichen Freundschafts-Tipps

  1. Schaut euch genau um und schenkt den Menschen die Aufmerksamkeit, die sie wirklich verdient haben.
  2. Haltet diese wichtigen Personen in eurem Leben fest.
  3. Redet miteinander, wenn es Unstimmigkeiten gibt und fresst nicht alles in euch hinein.
  4. Geht aufeinander ein.
  5. Akzeptiert den anderen so, wie er ist.
  6. Sollte sich jemand negativ verändern, dann sprecht das klar und offen an.
  7. Reflektiert das Gesagte und streitet nicht gleich alles ab. Ein wahrer Freund wird nie etwas Böses bezwecken wollen.
  8. Es geschieht auch alles aus einem Grund. Was zusammengehört, findet auch zusammen und was nicht zusammenpasst, wird früher oder später getrennt.

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